Jübarer Elternvertreter kritisieren Informationspolitik der Verbandsgemeinde zu Schulumzug

Kurz vor dem baubedingten Umzug der Jübarer Grundschule nach Klötze gibt es Ärger. Eltern kritisieren die mangelnde Einbindung in die Planung seitens der Verwaltung und die Pläne für die Hortbetreuung am Ausweichstandort.

In wenigen Tagen ist es soweit: Mit dem Ende des Schuljahres wird das Gebäude der Jübarer Grundschule leer gezogen und für ein Jahr zur Baustelle. Die Schüler werden vorübergehend in der ehemaligen Klötzer Zinnbergschule unterrichtet. Dort soll auch die Hortbetreuung stattfinden. Letzteres sorgt seit einigen Wochen für großen Unmut unter den Jübarer Eltern. Grund sind die von der Verbandsgemeinde (VG) während einer Infoveranstaltung am 16. Juni vorgestellten Pläne zur Beförderung der Kinder vom Hort nach Hause.

Mitglieder des Jübarer Hortkuratoriums und des Elternrates der 1. Klasse der Grundschule trafen sich am Montagabend im Dorfgemeinschaftshaus, um ihrem Ärger über die Informationspolitik der Verwaltung in Sachen Hortbetreuung während des einjährigen Umzuges nach Klötze Luft zu machen. Foto: Walter Mogk VOLKSSTIMME

„Ohne vorab mit uns zu sprechen, hat die VG einen Bus bestellt, der die Hortkinder um 14.45 Uhr von Klötze abholt“, berichtete Thomas Müller vom Elternrat der 1. Klasse am Montag während eines Pressetermins im Jübarer Dorfgemeinschaftshaus. Diese frühe Zeit werde dazu führen, dass im Hort gerade noch die Hausaufgaben gemacht werden können. Jede andere Beschäftigung fiele weg. Es sei denn, die Kinder verzichten auf die Busfahrt und bleiben länger. Dann müssten sie aber von den Eltern abgeholt werden. „Für viele unzumutbar. Das sind 27 Kilometer Fahrt, eine Tour. Gerade für bedürftige Eltern ist das auch finanziell nicht machbar. Mit der Folge, dass sie ihre Kinder vom Schulhort abmelden werden, obwohl der für die persönliche Zukunft eines jeden Kindes extrem wichtig ist“, kritisieren die Elternvertreter.

Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehen die Eltern auf der Strecke bleiben. Der überwiegende Teil der im Einzugsbereich der Jübarer Grundschule wohnenden Eltern sei in der Region Wolfsburg-Gifhorn-Braunschweig beruflich tätig. „Wir haben Eltern, die beide jeden Tag in diese Region pendeln. Diese können eventuell im nächsten Schuljahr nicht mehr auf eine Ganztagsbetreuung ihrer Kinder zurückgreifen. Ist das Recht auf Ganztagsbetreuung in Sachsen-Anhalt nicht gesetzlich verbrieft?“, fragen die Elternvertreter in einem Protestschreiben an die VG, das der Volksstimme vorliegt. Eventuell sei sogar eine Abholung der Kinder im Rahmen der Schließzeiten – der Hort schließt um 17 Uhr – gar nicht mehr möglich.

Ganz düster sieht es für den Ferienhort aus, der am 20. Juli in Klötze starten soll. „Da soll gar kein Bus fahren. Eltern, die in entgegengesetzter Richtung beruflich tätig sind, auch mit flexiblen Arbeitszeiten, können doch nicht jeden Tag nach Klötze hin und zurück fahren, um ihre Kinder zu befördern“, ärgerte sich Hort-Kuratoriumsmitglied Katharina Meyer. Die Befürchtung der Eltern: Eine richtige Hortarbeit kann gar nicht mehr stattfinden, weil viele Kinder wegen der Transportprobleme abgemeldet werden. Dabei sei der Hort mit seinen 58 Kindern und vier Erziehern eine feste Größe. „Die Kinder lieben ihn, das Team ist sehr engagiert und stellt viel auf die Beine“, meinte Katharina Meyer. Wenn die Betreuung mangels Masse künftig nur noch auf die Hausaufgabenzeit begrenzt ist, werde der Hort an Qualität verlieren.

Weitere Kritikpunkte: Selbst der einzige eingesetzte Bus um 14.45 Uhr fährt nur bis Beetzendorf. Dort müssten sich die Kinder – darunter Sechs- und Siebenjährige – selbst den Anschlussbus nach Jübar suchen. Auch gebe es im Bus keinerlei Aufsichtspersonen. „Was ist, wenn einem Kind schlecht wird oder es in den falschen Anschlussbus steigt?“, fragen die Eltern.

Die Forderungen der Elternvertreter sind eindeutig: Sie wollen, dass mindestens zwei Busse am Nachmittag ohne Umsteigen von Klötze nach Jübar fahren, der letzte nach Ende des Schulhortes. Zudem soll auch in der Ferienzeit ein Bus auf Kosten der VG eingesetzt werden. Schließlich befinde sich der Hort rechtlich noch in Jübar. „Unsere Kinder sind hier in der Grundschule angemeldet, nicht in der Klötzer Grundschule“, erklärte Thomas Müller.

Sollten die Forderungen nicht umsetzbar sein, müsse der Hort während der Bauphase in Jübar bleiben. Mögliche Gebäude gebe es genug, etwa das Dorfgemeinschaftshaus. Auch eine Containerlösung sei möglich. „Es fehlt aktuell nur der Wille bei Ihnen“, heißt es in dem Schreiben.

Bis zum 3. Juli wollten die Elternvertreter von der Verwaltung eine schriftliche Antwort auf ihren am 26. Juni verfassten Brief haben. „Doch bis heute haben wir nichts erhalten. Auch auf E-Mails wird nicht geantwortet“, ärgerte sich Thomas Müller. Kürzlich sei lediglich der dünne Hinweis gekommen, dass man den Brief an das Jugendamt weitergeleitet habe. Das will sich mit einigen Kuratoriumsmitgliedern heute Abend zusammensetzen.

Die Informationspolitik der VG halten die Eltern, die nach eigenen Angaben voll hinter dem Umbau der Grundschule stehen und auch nichts gegen die vorübergehende Beschulung in Klötze einzuwenden haben, für katastrophal. „Bis zur Veranstaltung am 16. Juni haben wir keinerlei Informationen bekommen. Auch die Lehrer wussten bis dahin nicht Bescheid“, so Müller. Bei dem Treffen selbst sei den perplexen Eltern dann von Hauptamtsleiterin Anja Schrader erklärt worden, dass Horte rechtlich wie Kindertagesstätten behandelt würden. Zu denen würden die Eltern ihre Kinder ja auch selbst hinbringen und wieder abholen. „Aber da reden wir von vier, fünf Kilometer Fahrtstrecke, nicht von mehr als 50 Kilometer hin und zurück“, entgegnete Thomas Müller.

„Frau Schrader hat während der Veranstaltung ein sehr arrogantes Auftreten uns Eltern gegenüber gezeigt, wir fühlen uns richtig veralbert. Die VG sitzt hier auf einem sehr hohen Ross und schaut von oben runter“, ärgerte sich auch Katharina Meyer. So könne man mit den Bürgern nicht umgehen. Die Eltern betonten, weiterhin zu einer konstruktiven Diskussion bereit zu sein. Allerdings werde die Zeit langsam knapp.

Von Walter Mogk VOLKSSTIMME

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